Stolpersteine

Amüsantes,Frivoles,Kindermund,Kurzweiliges, zum Relaxen

Verhütung mit Hindernissen

Zwanzig Jahre lang war Lisa mit Leib und Seele Briefträgerin. Da erlebte sie die merkwürdigsten Geschichten, doch diese eine sollte ihr ganzes Leben verändern.
Bei den Bewohnern in ihrem Bezirk war sie beliebt, weil sie für jeden ein nettes Wort übrig hatte und auch mal einen kleinen Plausch gehalten hat.
Nur um die Hausnummer 30 in der Goethestraße, machte die Schwarzhaarige gerne einen großen Bogen. Hier wohnte Herr Grind. Er war ein unverschämter Zeitgenosse, der ihr mit lockeren und anzüglichen Sprüchen zu imponieren versuchte. Bisher konnte sie ihm immer die passende Antwort geben. Doch, an einem Donnerstag vor sechs Monaten, war das Maß voll.
Lisa klingelte an seiner Tür, um die Quittung für ein Päckchen unterschreiben zu lassen. Der Vierzigjährige öffnete mit freiem Oberkörper und einer kurzen Jeans die Haustür. Immerhin konnte sich seine Figur sehen lassen.
„Na mein Lütten, mal wieder auf der Suche nach etwas Warmen?“ fragte er anzüglich. „Dann komm mal rein, das ändern wir gleich,“ Mit einer Geste, die nicht zu Missverstehen war, nahm er sie bei der Hand und versuchte sie in die Wohnung zu ziehen. Das war nun doch zu viel. Die Wange, wo ihn ihre Hand getroffen hatte, wurde feuerrot. Als hätte er darauf gewartet, nahm er Lisa in seine muskulösen Arme und gab ihr einen dicken Kuss. Sie war davon so überrascht, dass sie sich zuerst gar nicht wehren konnte, doch dann traf es sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Was zuerst Abneigung war, wurde mit einem Schlag Sympathie. Er muss es irgendwie gespürt haben, denn als sie am nächsten Tag wieder an seinem Haus vorbei musste, lud er sie frech zu einer Party ein. Auf dieser Feier wich Ingo, so hieß er, nicht von ihrer Seite und ließ alle anderen Frauen links liegen. So etwas kannten seine Freunde überhaupt nicht von ihm und überhäuften ihn deshalb mit Hohn und Spott.er eine romantische Stimmung gezaubert. Der ist ja gar nicht so ungehobelt, wie er immer tut, dachte sie überrascht.
Nach einer Weile, sie waren beide nicht untätig und hatten auch schon gefunden, wonach sie gesucht hatten, waren sie bereit für den letzten Schritt. Er nahm ein Kondom und wollte es anziehen. Dabei stellte Ingo sich sehr ungeschickt an, weil ihm vor Ungeduld die Hände zitterten. Lisa sah, dass er Probleme hatte und wollte ihm gerade zu Hilfe kommen, als das Ding im hohen Bogen durch die Luft sauste und mit einem leisen „Platsch“ im Aquarium landete. Es sah aus, als ließe er einen aufgeblasenen Ballon durch die Luft fliegen. Erschreckt stoben die friedlichen Fische auseinander. Etwas enttäuscht und beschämt ging Ingo ins Bad, um einen neuen zu holen. Lisa lag zu allem bereit in der Kuschelecke und konnte nur mit Mühe den aufkommenden Lachreiz unterdrücken.
Plötzlich hörte sie ein Poltern und im selben Moment einen schmerzerfüllten Schrei aus dem Bad. Lisa rannte hin und sah die Bescherung. Schlagartig war ihr die Lust auf einen romantischen Abend vergangen. Es war schon ein komischer Anblick, der sich ihr bot, doch darüber Lachen konnte sie nicht. Ingo lag wie ein Käfer auf dem Rücken und jammerte. Er konnte sich nicht bewegen und auch sonst konnte er nicht mehr…
Normalerweise verliert Lisa nicht so schnell den Kopf, doch als sie Ingo so hilflos am Boden liegen sah, wusste sie sich keinen anderen Rat als Thomas anzurufen. Kurzerhand griff sie zum Hörer und klingelte ihn aus dem Bett. Um vier Uhr am Morgen geweckt zu werden, fand ihr Bruder gar nicht lustig, doch als sie ihm die peinliche Situation geschildert hatte, war sein Ärger verraucht und wenige Minuten später klingelte er an der Tür. Mit viel Mühe schafften sie Ingo behutsam ins Auto und brachten ihn ins Krankenhaus. Die Ärzte dort hätten die Beiden fast gelyncht, weil sie keinen Krankenwagen gerufen hatten. Der diensthabende Arzt erklärte ihr, dass Ingo sich wahrscheinlich einen Rückenwirbel verletzt habe. Der Gedanke daran, dass Ingo vielleicht gelähmt bleiben könnte, verursachte Lisa nun doch ein flaues Gefühl im Magen und hoffte inständig, dass er wieder gesund werde. Durch ihren Leichtsinn hatte sie Ingo fast für immer an den Rollstuhl gefesselt. Später, als sie ihn besuchen durfte, erzählte er ihr, dass er die Tür des Spiegelschrankes öffnen wollte. Dabei rutschte er aus und fiel mit dem Rücken auf den Rand der Badewanne.
Als Ingo dann wieder gesund war, klingelte sie, wie beim ersten Mal, an seiner Tür. Er öffnete und fragte: „Na, mein Lütten, wieder auf der Suche nach etwas Warmen? Dann komm mal rein, das haben wir gleich” Diesmal ging sie gerne mit.