Stolpersteine

Amüsantes,Frivoles,Kindermund,Kurzweiliges, zum Relaxen

Playboy für Oma

Luise freute sich auf das Treffen mit ihrer Freundin Erna. Sie kannten sich seit ihrer gemeinsamen Schulzeit und hatten immer engen Kontakt gehalten. Mit ihr konnte sie sich offen über alles unterhalten. Auch über Themen, die sonst peinlich verschwiegen wurden. Das letzte Mal hatten sie sich kurz vor Ernas  Unfall gesehen. Das war nun schon fünf Monate her.
Luise hatte den Kaffeetisch festlich gedeckt. Der Kuchen, den Erna so gern mochte, stand bereit. Es standen immer bunte Blumensträuße in Luises Wohnung, doch heute hatte sie extra frische Blumen gekauft. Dieses Wiedersehen wollte sie besonders begehen. Nach Ihrem schweren Unfall wollte Erna ihre Freundin endlich wieder einmal besuchen.
Fröhlich summte sie ein Lied, als es klingelte.
„Pünktlich wie immer”, sagte sie zu sich.
Ihre Augen strahlten, als sie zur Tür ging. Sie öffnete  und blieb einen kurzen Moment stumm stehen und musterte Erna von oben bis unten. Dann fielen sie sich in die Arme.
„Schön, dass du da bist”, freute sich Luise. „Komm herein, der Kaffee ist gleich fertig.”
Als sie im Wohnzimmer saßen, unterhielten sie sich über vergangene Zeiten, auch über den Unfall.
Luise sagte bewundernd:  „Du siehst gut aus.”
„Ach”, klagte Erna und wehrte mit der Hand ab. „Es ging mir schon einmal besser. Aber du”, sagte Erna anerkennend, fast neidisch. „Du siehst so jung und frisch aus. Wie machst du das?”
„Och”, meinte Luise leichthin. „Eigentlich mache ich gar nichts dafür. Naja, etwas schon”, gab sie zu. „Ich gehe viel Spazieren und bin auch sonst viel unterwegs. Und - ich habe viel Sex. Und es macht immer noch Spaß. Auch jetzt noch mit69.” Nun waren sie Beide bei Ihrem Lieblingsthema. „Aber seit wir aus der Lehre sind, haben wir es doch beide gemacht.”
Erna staunte: „Was? Das hält dich Fit? Da brauchst du dich doch nicht viel zu bewegen.” Erna sah ihre Freundin verständnislos an. „Die Arbeit macht doch ein anderer. Macht dir das denn noch Spaß?”
Luise antwortete schlicht: „Spaß macht es schon. - Glaube ich. Sonst würde ich nicht so frisch aussehen. Doch leider ist es in letzter Zeit etwas selten geworden. Das letzte Mal ist schon zwei Monate her.”
„Das ist doch nicht lange”, erklärte Erna. „Ich habe schon länger nicht mehr. Aber erzähl doch mal, Wie war das letzten Mal?”
„Da gibt es nicht viel zu erzählen”, begann Luise bereitwillig. „Es war am Heiligabend im Wohnheim. Er hieß Oscar. Er war ein Mitbewohner.” Luise seufzte. „Leider ging es viel zu schnell vorbei. Das muss ich unbedingt ändern, sonst werde ich noch kribbelig. Manchmal glaube ich, dass ich süchtig danach bin.” Luise lächelte bei dem Gedanken. „Aber es ist schön. Oder findest du nicht. Wie steht es denn eigentlich mit dir?”
„Ach, weißt du,” resignierte Erna. „Bei mir läuft eigentlich in der Beziehung gar nichts mehr. Ich habe die Nase voll.”
Luise sah sie verständnislos an. „Warum denn das?” Luise war entsetzt. „Es ist doch was Wunderschönes, einen Mann bei sich zu haben und seine Wärme zu spüren. So wie früher, als wir noch jung waren. Auf so etwas willst du verzichten? Das kann doch nicht dein Ernst sein.”
„Ich weiß nicht”, zweifelte Luise. „Vielleicht verstehst du mich besser, als mein Arzt. Dazu muß ich dir mal etwas erzählen. Vor einigen Monaten  hatte ich doch diesen Unfall mit dem Auto, weißt du noch?”
„Ja”, erinnerte Luise sich. „Die Ärzte hatten alle Hände voll zutun, um dich wieder gesund zu machen.”
„Richtig”, nickte Erna. „Und seit dem läuft in Sachen Sex nichts mehr. Ich habe starke Probleme mit dem Herzen und der Kreislauf will auch nicht mehr so richtig.”
„Aber Luise”, erklärte Erna. „Das hat doch mit deiner Lust und deinen Gefühlen nichts zutun.”
„Dachte ich auch”, sagte Erna. „Ich bin mit den Kreislaufproblemen zu meinem Arzt gegangen. Der wollte mir Medikamente verschreiben. Im Gespräch fragte er dann, wie es denn mit meinem Liebesleben aussehe. Ich sagte ihm: `Herr Docktor´, sagte ich. `Ich bin nun schon siebenundsechzig Lahre alt. In diesem Alter geht nichts mehr.´ Weißt du, was er mir der junge Mann geantwortet hat? `Das ist im höchsten Grade falsch,´ hat er gesagt. `Anormal und Ungesund. Erna tippte sich an die Stirn. `Sehen sie´, fing er an mich aufzuklären. Mich, einer Frau von siebenundsechzig Jahren, will ein Mann, der mein Sohn sein könnte, aufklären. `Beim Verkehr produziert der Körper ein `Glückshormon´, begann er. Den Namen dafür habe ich vergessen. `Dieses Hormon gelangt in die Blutbahn und repariert ihr Herz.´  `Docktor, sagte ich, das ist Blödsinn.´ Dann bin ich aufgestanden  und bin raus.” Erna schüttelte verständnislos den Kopf. „Ich habe mir einen anderen gesucht.”
Luise sah ihre Freundin mitleidig an. Dann grinste sie: „Erna, da mußt du was falsch verstanden haben.” Luise machte ein nachdenkliches Gesicht. Dann hatte sie eine Lösung gefunden. Mit lachenden Augen sagte sie: „Guck mich an. Sehe ich schlecht aus? Nein! Ich bin glücklich und zufrieden. Und weißt du warum? Ganz einfach. Weil dein Arzt recht hat. Ich lasse mir drei, vier mal im Jahr von einem Mann das Öl wechseln. Erna fand die Ausdrucksweise zuerst  erschreckend . Doch inzwischen hat sie sich daran gewöhnt. Mir bekommt es gut. Ich habe keine Beschwerden, weder mit dem Kreislauf noch mit dem Herzen.”
„Nun”, sagte Erna. „Ich bin zu einem anderen Arzt gegangen. Im Gespräch fing er mit dem gleichen Käse an. Ich sagte ihm, der Ofen ist aus. Da erzählte er mir genau dasselbe, was der Andere erzählt hat. Ich fragte ihn, was ich denn machen soll. Ich kann doch wohl schlecht im Kaufhaus gehen und einen Mann kaufen. Und auf Rezept gibt es auch keinen. Oder? Wie stellen sie sich das denn vor?”
Eigentlich war Erna gar nicht abgeneigt, mal wieder einen Mann bei sich zu haben. Seit ihr Mann vor sechs Jahren gestorben war, sehnte sie sich immer öfter, nach körperlicher Nähe. Doch sie hörte noch die Worte ihrer Mutter. Die sagte immer: `Erna, nutzte die Zeit wenn du jung bist. In Alter tut man so etwas nicht mehr.´ Doch ihr Gefühl sagte ihr etwas anderes. Ihre Freundin sah für ihre Dreiundsiebzig gesund und munter aus. Da fasste Erna im Stillen einen Entschluss, doch zugeben mochte sie es nicht.
Erna fuhr fort: „Da sagte der doch zu mir: `Na. Sehen sie doch einmal in die Zeitung.  Da stehen viele schöne Männer drinnen. Sie brauchen nur noch auszuwählen.´ Na gut, habe ich gesagt. Ihnen zu liebe mache ich es vielleicht, aber wenn es nichts bringt, komme ich wieder und lege sie übers Knie. Darüber haben die Beiden so gelacht, dass Ihnen die Tränen über die Wangen liefen.
Ich habe in die Zeitung geguckt.  Es stand auch einer drinnen. Den habe ich angerufen. Er gab sein Alter mit dreißig Jahren an, aber als er dann da war, stellte sich heraus, dass er Achtundvierzig war. Naja, dachte ich, das Alter spielt ja keine Rolle. Er sollte ja nur seinen Zweck erfüllen. Ich muss schon sagen, der Mann war Sympathisch. An den hätte ich mich gewöhnen können. Doch er hatte ein Problem. Er konnte sein Geschütz nicht laden. Er war groß, braungebrannt sehr nett und höflich. Dafür wollte er auch noch dreihundert Mark haben. Aber für einen Schrumpfgermanen zahle ich kein Geld. Dem Zweiten ging es ähnlich. Der wollte sein Geld im Voraus. Und dann ging es los. Ich war ganz lieb zu ihn. Ich habe ihn gestreichelt und alles gemacht aber  es war und blieb eine Hängelampe. Je länger es dauerte, desto heller wurde mein Licht, doch sein Schalter war  wohl nicht in Ordnung. Verlegen sagte er: `Das wird nichts.´  Ich sagte: `Mein Arzt hat mir diese Kur verordnet. Wenn du es aber nicht kannst, dann muss ich mir einen anderen suchen.”
„Du Arme”, meinte Luise mitfühlend. „Nimm dir doch erstmal einen dieser Nachgemachten. Heute Abend leihe ich dir meinen.”
„Nee, nee”, sagte Erna energisch. „Der Arzt sagte ja, ich solle mir einen Mann nehmen. In seiner Munition sind Hormone, die mit meinen zusammenarbeiten. Da hilft kein Ventilator, oder wie die Dinger auch heißen. Ich muss es richtig machen und nicht so´n nachgemachten  Kram.”
Luise überlegte. Sie konnte nicht glauben, was sie da eben gehört hatte. Die Hormone des Mannes arbeiten mit meinen zusammen? Warum eigendlich nicht. Sehe ich vielleicht schlecht aus? Vielleicht ist da ja was dran. Die heutige Medizin ist ja viel weiter, als zu unserer Zeit.
„Dann rief ich eine Agentur an”, fuhr Erna fort. „Die sagten: `Wir haben tolle Jungs. Die bringen es immer.´ Na, dachte ich. Endlich mal was vernünftiges. Der Knabe kam. Er sah aus, wie eines dieser Modelle, die wir immer im Fernsehen sehen. - Und was soll ich dir sagen. Der konnte auch nicht. Nun bin ich kuriert und will von Männern nichts mehr wissen.”
Aber Luise wusste Rat. „Weißt du was. Ich glaube, ich kann dir bei deinem Problem helfen. Ein Mitbewohner unseres Wohnheims ist zwar auch schon sechsundsechzig,  aber er ist fit wie Mungo, und er macht es umsonst.”
„Ach, der wird sicher auch nur trockenes Obst haben. So wie die anderen auch”, sagte Erna resignierend.
„Da täuscht du dich”, meinte Luise stolz. „Der hat gepflegtes Werkzeug. Wenn eine unserer Mitbewohnerin Probleme hat, wendet sie sich vertrauensvoll an ihn und er hilft immer. Solche Vertrauensseligkeiten bleiben bei uns selten geheim. Mir hilft er auch. Wenn ich ihm sage, dass ich Hilfe brauche, wird er bestimmt nicht nein sagen. Was meinst du. Soll ich ihn mal fragen? Er kann dir sicher helfen. Wir treffen uns dann in einer Woche wieder hier.”
„Gut”, sagte Erna zögernd. „Wenn es aber diesmal wieder nicht klappt, ist dieses Thema endgültig abgehakt.”
Luise nickte schmunzelnd. Sie wusste, dass Erna es nicht so konsequent war, wie sie immer tat.
Zur verabredeten Zeit war Erna wieder bei Luise. Luise konnte ihre Neugierde kaum zügeln.
Nach dem Kaffee hielt sie es nicht mehr aus. „Nun Erna”, fragte sie. Luise brannte vor Neugierde. „Wie war´s. Hast du dich mit Anton getroffen?”
„Luise”, sagte Erna selig. Sie schwebte immer noch auf Wolke Sieben, als sie zu erzählen begann. „Warum hast du mir nicht früher von ihm erzählt. Es war Himmlisch.” Erna verdrehte genüsslich die Augen. „Ich habe ihn gestreichelt. Seine Hände waren überall, wie eine Krake. Wenig später lief ein Schauer heißer Lava durch meinen Körper.  Das waren seine Hände. Verträumt sah sie ihre Freundin an und lächelte.