Stolpersteine

Amüsantes,Frivoles,Kindermund,Kurzweiliges, zum Relaxen

Die Aufnahme Prüfung

"Susi", sagte Mutti nach dem Abendbrot ernst zu ihrer Tochter. "Komm doch bitte einmal zu mir.”
Susi sah ihre Mutter erschrocken an. Wortlos setzte sie sich neben ihre Mutter. Mutti nahm ihre Tochter auf den Schoß, so, wie sie es schon so oft getan hatte. Hier fühlte sich Susi geborgen. Diesmal aber war ihre Mutter sehr ernst. Das gab ihr zu denken. Hatte sie etwas ausgefressen? Nein, das war es nicht. Mutti war ja nicht böse.
„Susi, mein Schatz“, begann die Mutter. „Du bist jetzt schon fast groß.“
„Ja“, antwortete Susi stolz. „Und wenn ich ganz groß bin, will ich so werden wie Du.“
Lächelnd drückte sie ihre Tochter an sich. „Das ist gut,“ fuhr sie fort. „Du bist nun schon fast sechs Jahre alt.”
Susi nickte und ihr blonder Haarschopf flog dabei hin und her. Sie sah ihre Mutter fragend an und wartete auf das, was denn nun kommen würde.
„Weißt du,“ fuhr sie fort. „Wer so alt ist wie du, der musst bald in die Schule. Für dich wird es auch bald soweit sein.”
Das war es also. Doch warum das? Sie weiß doch schon alles. Immerhin war sie schon fast groß. "Warum muss ich denn in die Schule?" fragt Susi erstaunt. "Zählen kann ich schon und rechnen auch. Das haben wir doch schon oft gemacht."
"Kannst du denn auch schon deinen Namen schreiben und lesen?"
Erstaunt über diese Frage antwortete sie "Meinen Namen schreiben kann ich schon, das weißt du doch. Und lesen, na ja, das kriege ich auch noch hin."
"Meinst du? Mami und Papi sind auch mal so klein gewesen, wie du. Da mussten wir auch in die Schule gehen. Oma und Opa auch.”
„Oma und Opa auch?” Susi war Überrascht. Ihre Großeltern, haben auch zur Schule gemusst? Die sind doch so Schlau.
Ja”, fährt Mutti fort. „Wir haben viel dort gelernt."
"Das verstehe ich nicht. Seid ihr denn so dumm gewesen, dass ihr es nicht auch so lernen konntet?" Susi konnte nicht verstehen, dass Erwachsene, wie ihre Eltern und Großeltern, zur Schule gegangen waren.
"Das ist nun einmal so”, fährt Mami fort. „Jeder, der sechs Jahre alt ist, muss in die Schule. Dort lernst du Dinge, die wir dir nicht beibringen können.” Mutti nahm einen Briefumschlag vom Tisch. „ Sieh mal. Heute ist ein Brief mit der Post gekommen. Darin steht, dass du eine Aufnahmeprüfung machen musst. Damit kann die Schule sehen, ob du schon groß genug dafür bist."
„Die Leute können doch gar nicht wissen wie klug ich bin. Und überhaupt, ihr lasst euch von fremden Menschen sagen, was ich zu tun habe?“
„Das sind nun mal die Gesetze in unserem Land. Dagegen können wir gar nichts tun.“
Na ja, sinniert sie, wenn Oma und Opa auch dort hin mussten, dann komme ich auch nicht davon frei. Susi seufzte hörbar: „Na gut, wenn es sich nicht vermeiden lässt, muss ich das ja wohl auch tun."
 Mama und Opa begleiten sie zur Aufnahmeprüfung. Opa war extra den weiten Weg von Norderney, hierher nach Freiburg gekommen, um seiner Enkelin beizustehen. Papi war, wie schon so oft, wieder einmal zu irgendeiner Sitzung.
Nach Außen hin, zeigte Susi keine Nervosität. Aber in ihrem Innern, war sie doch sehr beunruhigt. Was mich da wohl erwartet? Aber sie war sich sicher, dass sie es schaffen würde.
„Wir kommen mit hinein”, erklärte Opa mutig.
„Nein, nein. Das mache ich alleine”, sagte sie entschlossen. Ihr zarter Körper straffte sich und marschierte los.
Opa weiß, was da auf mich zukommt, dachte sie. Vielleicht hätte ich ihn doch Mitnehmen sollen War es doch nicht so einfach wie sie es sich vorgestellt hat? Er hat es ja schon hinter sich. Darum will er ja auch mit hinein. Sie drehte sich noch einmal nachdenklich um, doch dann marschierte sie entschlossen weiter.
 Als Susi wieder herauskam, schüttelte sie Verständnislos den Kopf.
„Was ist los?” Opa sah seine Enkelin erwartungsvoll an. „Hast du bestanden?”
„Die da drinnen”, sagte sie verwundert, „sind ja so Dumm. Weißt du, da muss ich extra den weiten Weg von zuhause hierher kommen, um denen zu erklären, welche Farben in dem Buch sind. - Na”, sagte sie und schüttelte wieder verständnislos dem Kopf. „Wenn das in der Schule nachher genau so ist, kann es ja noch lustig werden"
Mutti schmunzelte und strich ihr liebevoll über ihre langen, blonden Locken.
"Ich hätte es nicht geglaubt”, fuhr Susi fort und zuckte wieder mit den Schultern. "...aber ich bin angenommen.”
„Na,” sagte Opa grinsend. „Da werden sich die Lehrer aber freuen. Nach ein paar Tagen werden sie die Nase von dir voll haben.”
„Opa,” sagte Susi selbstbewusst. „Das ist kein Problem,“ sagte sie Selbstbewusst. „Die sollen doch mit mir klar kommen. Na, und wenn die es nicht können, haben sie ja immer noch die Möglichkeit zu kündigen. Ich nicht.”
Lässig zuckte sie mit den Schultern und fügte hinzu: „Ist doch ganz einfach, oder?”